Kategorie: Vormundschaft

Amtsvormundschaft

Ein Amtsvormund ist eine vom Jugendamt bestellte Fachkraft, die die Vormundschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge übernimmt. Amtsvormünder entscheiden, ebenso wie ehrenamtliche Vormünder, Fragen der elterlichen Sorge, Gesundheit und Bildung. Auch der Asylantrag wird vom Amtsvormund gestellt.

In den drei Werktagen nach der Inobhutnahme, spätestens jedoch einen Monat nach Einreise eines unbegleiteten Kindes, muss ein gesetzlicher Vormund bestellt werden. Die Vormundschaft kann eine geeignete ehrenamtliche Person übernehmen, die vom Jugendamt dem Familiengericht vorgeschlagen wird. Steht keine solche Person zur Verfügung wird zunächst ein Amtsvormund bestimmt.

Damit eine Vormundschaft angeordnet werden kann, muss ein Familiengericht zunächst das „Ruhen der elterlichen Sorge“ feststellen. In einigen Fällen sehen Familiengerichte das nicht als gegeben, wenn die Minderjährigen in ständigem telefonischem Kontakt mit ihren Eltern stehen.

In der Praxis können die Verfahren bis zur Bestellung eines Vormundes mehrere Monate in Anspruch nehmen. Gegebenenfalls besteht die Möglichkeit einen Eilantrag zu stellen, um die Familiengerichte zu einer schnelleren Entscheidung zu drängen. Jugendliche können auch selbst beim Amtsgericht einen Antrag auf Berufung eines Vormundes stellen.

Nach gesetzlicher Vorgabe dürfen Amtsvormünder nicht mehr als 50 Mündel betreuen. In der Praxis sind viele Jugendämter überlastet und Amtsvormünder betreuen deutlich mehr Kinder, sowohl geflüchtete als auch deutsche. Viele Bundesländer präferieren daher inzwischen die Einzelvormundschaft (durch Ehrenamtliche) anstelle der Amtsvormundschaft.

Wenn Amtsvormünder aus Überlastung keine Asylanträge stellen können, kann das gravierende Folgen für die minderjährige Geflüchteten haben. Das Netzwerk „Berlin hilft“ empfiehlt in manchen Fällen den Weg der „Bevollmächtigung“. Dabei bekommt eine ehrenamtliche Person Teile der Aufgaben des Amtsvormundes abgetreten und kann die Vorbereitung des Asylantrags übernehmen. Gerade bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die kurz vor ihrem 18. Geburtstag bzw. der Volljährigkeit stehen, kann sich ein solches Vorgehen anbieten.

Weiterführende Informationen: