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Volljährigkeit

Das Vormundschaftsverhältnis wird in der Regel durch die Volljährigkeit des Mündels beendet. In der Regel also zum – tatsächlichen oder festgestellten – 18. Geburtstag des Mündels. Gilt im Heimatland ein späteres Alter für die Volljährigkeit, gilt das Heimatrecht. Bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen kann die Volljährigkeit auch durch das Altersfeststellungsverfahren unerwartet eintreten.

Oft geht mit der Beendigung der Vormundschaft und der Volljährigkeit die Entlassung aus der Jugendhilfe einher, wobei es hier durchaus Spielraum gibt, da unter Umständen auch junge Erwachsene von Leistungen der Jugendhilfe profitieren können. Weitere Anträge auf Leistungen und Asylanträge müssen von den Geflüchteten selbst gestellt werden.

Das Erreichen der Volljährigkeit und damit das Ende der Vormundschaft sollte wegen den umfassenden Konsequenzen, die dieses Datum für die Jugendlichen haben kann, gut vorbereitet werden.

So gilt es z.B., mit der jeweiligen Jugendhilfeeinrichtung und dem Jugendamt zu klären, ob der/ die Jugendliche in der Jugendhilfe verbleiben kann, und wenn ja wie lange. Falls das Jugendamt keine weiteren Hilfsmaßnahmen im Rahmen der Jugendhilfe bewilligt, muss eine neue Unterkunft gefunden werden. Oft ist es auch dann noch möglich, beim Jugendamt einen Antrag auf Übergangshilfe zu stellen, so dass dem/der Jugendlichen noch weiterhin ambulant sozialpädagogische Betreuung zur Verfügung steht.

Auch was das Asyl- bzw. Aufenthaltsverfahren angeht, hat das Erreichen der Volljährigkeit große Bedeutung. Aufforderungen zur Ausreise z.B., die vorher aufgrund der Minderjährigkeit des/der Betroffenen nicht zur Debatte standen, könnten jetzt je nach Stand und Aussichten des Asylantrags aktuell werden.

Die Vormundschaft endet automatisch, ein Antrag ist nicht notwendig.

Weiterführende Informationen:
http://www.b-umf.de/de/themen/junge-volljaehrige
https://www.nds-fluerat.org/22253/aktuelles/umf-bevorstehende-volljaehrigkeit-drohender-abrupter-hilfeabbruch-informationen-zum-rechtsanspruch-und-beantragung-von-hilfen-fuer-junge-volljaehrig/

Vormundschaft (ehrenamtlich)

Die wichtigsten Aufgaben eines/r ehrenamtlichen Vormunds/einer Vormünderin für eine*n minderjährigen Geflüchtete*n sind laut Bundesverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge:

– Rechtliche Vertretung
– Personensorge
– Vermögenssorge
– Sicherung und Schaffung von Bleiberechtsperspektiven sowie die Vertretung im asyl- und aufenthaltsrechtlichen Verfahren
– Unterstützung bei Familienzusammenführung und Familiennachzug
– Gesundheitsfürsorge
– Sicherstellung von Schul- bzw. Ausbildungszugang und Spracherwerb
– Beantragung erforderlicher Leistungen (bspw. SGB VIII)
– (Mitwirkung im Hilfeplanverfahren des Jugendamtes)

Im Vordergrund steht dabei stets das Kindeswohl. Diese Form der Vormundschaft ist ein Ehrenamt (Aufwandsentschädigung) und besteht in der Regel bis zur Volljährigkeit. Um auf die vielfältigen, verantwortungsvollen Aufgaben als Vormund vorzubereiten, bieten Nichtregierungsorganisationen und Vereine deutschlandweit Fortbildungen und Vernetzung für ehrenamtliche Vormünder von unbegleiteten, minderjährigen Geflüchteten an. Unter anderem das Berliner Projekt akinda, sowie die Caritas und andere Wohlfahrtsverbände.

Weiterführende Informationen:

– Vormundschaftsprojekte in ganz Deutschland (Stand 2015): http://www.b-umf.de/images/Liste_Vormundschaftsprojekte_2015.pdf