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Pflegefamilie

Eine Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in einer Pflegefamilie ist grundsätzlich möglich, wird aber von Kommune zu Kommune unterschiedlich gehandhabt. Ob eine Unterbringung möglich ist, entscheidet das Jugendamt. Eine Unterbringung in einer Pflegefamilie wird als Pflegschaft bezeichnet, beinhaltet aber nicht unbedingt die Übertragung der elterlichen Sorge im Rahmen einer Vormundschaft.

Interessierte wenden sich an das zuständige Jugendamt und durchlaufen in der Regel eine Qualifizierung und Überprüfung der Eignung als Pflegefamilie. Die fachlichen Standards der Jugendhilfe müssen in jedem Fall gegeben sein.

Ausführliche Informationen und persönliche Beratung bietet eine Hotline des Bundesfamilienministeriums rund um die Themen Patenschaft, Pflegefamilien, Gastfamilien und Vormundschaft unter : 0800 200 50 70.

Die Unterbringung in einer Gast- oder Pflegefamilie ermöglicht im besten Fall mehr Normalität und Stabilität im Alltag. Ob diese Art der Unterbringung empfehlenswert ist, ist aber vom Einzelfall abhängig. Denn auch von den Jugendlichen wird etwas abverlangt: die Bereitschaft zur Eingliederung in familiäre Strukturen und Regeln, Anpassungsfähigkeit und kulturelle Offenheit.

Das Kompetenzzentrum Pflegekinder macht darauf aufmerksam, dass für die Gasteltern höhere Belastungen als in herkömmlichen Pflegeverhältnissen zu erwarten seien: Unsicherheiten in der kulturellen, religiösen und sprachlichen Verständigung, sowie flucht- und traumabedingte Verhaltensweisen können zu Missverständnissen und Konflikten führen.

Im besten Fall enthielten die auf die Pflegschaft vorbereitenden Kursen Einheiten zu Asyl-, Aufenthalts- und Sozialrecht für Flüchtlinge, zu Traumapädagogik und zur interkulturellen Kommunikation. Außerdem würden bereits einige Jugendämter und Träger mit speziellen Arbeitshilfen und Verfahren zur Eignungseinschätzung für Gastfamilien, also Pflegefamilien für UMF, arbeiten.

Der BumF empfiehlt dringend, dass grundsätzlich auch für die Auswahl sogenannter Gastfamilien dieselben Standards gelten sollten, wie für eine Vollzeitpflege üblich.

Weiterführende Informationen:

– Papier des „Kompetenzzentrum Pflegekinder“ zu Gasteltern für UMF: http://www.kompetenzzentrum-pflegekinder.de/workspace/uploads/jugendliche-fluechtlinge-in-gastfamilien_1.pdf

– Liste öffentlicher und freier Träger, die Pflegefamilien für UMF suchen (Stand 2017): http://www.moses-online.de/artikel/diese-oeffentlichen-freien-traeger-suchen-pflegefamilien-junge-fluechtlinge-junge-unbegleitete-auslaender

– Eine sehr ausführliche Linksammlung zu Pflegschaften für UMF findet sich hier: http://www.moses-online.de/artikel/pflegefamilien-junge-fluechtlinge-junge-unbegleitete-auslaender-gesucht

– BumF Positionspapier zu Gastfamilien für UMF: http://www.b-umf.de/images/Gastfamilien-_Hilfsbereitschaft_nutzen_oder_ausnutzen.pdf

Prozesskostenbeihilfe

Die Prozesskostenbeihilfe nach § 114 ff. ZPO erlaubt es einkommensschwachen Personen die deutsche Gerichtsbarkeit in Anspruch nehmen zu können. Sie deckt eigene Anwaltskosten und Gerichtskosten ab. Im Asylverfahren entstehen erst nach einem ablehnenden Bescheid Gerichtskosten, wenn nämlich gegen den Bescheid Klage eingereicht wird.

Der Antrag auf Prozesskostenbeihilfe muss beim Verwaltungsgericht zusätzlich zur Klage (gegen den Ausgang des Asylverfahrens) eingereicht werden. Voraussetzung für die Gewährung sind Mittellosigkeit und Aussicht auf Erfolg. Letzteres wird, nach Angaben vieler Flüchtlingsorganisationen, in der Regel verneint und der Antrag abgelehnt. Daher muss überlegt werden, inwieweit der Antrag auf Prozesskostenbeihilfe überhaupt sinnvoll ist. Diese Fragen sollten gemeinsam mit einem Anwalt geklärt werden.

Bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen kann Prozesskostenbeihilfe nur gewährt werden, wenn die Klage nicht von einem Anwalt erhoben wird, der ohnehin als Mitvormund oder Ergänzungspfleger für seine Arbeit vergütet wird.