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Alphabetisierung

Lese- und Schreibkenntnisse in der lateinischen Schrift sind Voraussetzung für Kommunikation,
Integration und Schulbesuch.

Die Alphabetisierung von schulpflichtigen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in deutscher Sprache erfolgt in der Regel in der Schule, in sogenannten Willkommensklassen, auch Alphabetisierungsklassen oder Förderklassen genannt. In diese Klassen werden neu zugewanderte Kinder, ganz unabhängig von Bildungsstand, Fluchthintergrund und Aufenthaltsstatus aufgenommen. Das Ziel ist es, die Kinder schnellstmöglich in Regelklassen zu integrieren. Gegebenenfalls bekommen sie dann weiterhin zusätzlichen Sprachförderunterricht. Kinder im Schulanfangsalter werden oft nicht gesondert unterrichtet, sondern gleich in die Regelklassen integriert.

Ob es gesonderte Klassen gibt, ist auch von den finanziellen, räumlichen und personellen Ressourcen der Schule und der Anzahl der geflüchteten, schulpflichtigen Kinder abhängig. Alphabetisierung, Sprachunterricht und Bildung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die nicht mehr der gesetzlichen Schulpflicht unterliegen, sind regional bzw. kommunal sehr unterschiedlich geregelt. In der Regel gibt es spezielle Kurse an Volkshochschulen bzw. öffentlichen Schulen.

Anhörung im Asylverfahren

Die Anhörung ist der wichtigste Baustein des Asylverfahrens. Es ist daher sehr zu empfehlen, dass sich UMF, Vormund und ggf. Beistand mit der Arbeitshilfe zur Vorbereitung auf die Anhörung des Bundesverbands UMF gründlich auf die Anhörung vorbereiten: http://www.b-umf.de/images/2016_07_05_Arbeitshilfe_Asylverfahren_UMF.pdf.

Die Anhörung ist ein Gespräch, das zwischen weniger als einer Stunde bis zu mehreren Stunden dauern kann und in der Regel Morgens im Arbeitszimmer der*des Anhörer*in stattfindet.

Der UMF trägt seine Fluchtgründe vor.  Wie der Flüchtlingsrat Thüringen betont, kommt es darauf an dass diese Schilderung genau, ausführlich, geordnet und frei von Widersprüchen ist und die Fluchtgründe wahrheitsgemäß, detailreich, „lebensnah“, widerspruchsfrei und vollständig wiedergegeben werden. Es ist erlaubt, Notizen mit in das Gespräch zu nehmen.

Bei der Asylanhörung von Minderjährigen ist die Anwesenheit eines Vormunds verpflichtend. Vormünder dürfen, in Absprache mit der Anhörer*in Zwischenfragen stellen. Außerdem ist ein*e Dolmetscher*in anwesend, die keinen Einfluss auf die Frageverlauf nehmen darf. Minderjährige dürfen zusätzlich einen Beistand als Vertrauensperson in die Anhörung mitnehmen. Das sollte dem BAMF rechtzeitig mitgeteilt werden. Auch diese Person darf die Befragung nicht unterbrechen, aber Notizen anfertigen, die später bei der Klage gegen eine negativen Bescheid hinzugezogen werden können.

Die Person, die die Anhörung vornimmt, sollte besonders für den Umgang mit Minderjährigen geschult sein, so dass die Befragung Alter und Entwicklungsstand entspricht. Von ihr hängt die Qualität der Anhörung (viele Fragen/wenig Nachfragen) und des Gutachtens ab.

Die Anhörung kann bei Problemen mit Anhörer*in/Dolmetscher*in (Unangemessener Tonfall, Übersetzungsprobleme) durch den Vormund für eine Pause unterbrochen oder ganz abgebrochen werden. Eine Unterbrechung hat für das Mündel keinen Nachteil, sollte aber im Protokoll vermerkt sein. Gegebenenfalls wird ein neuer Termin, mit einer neuen Anhörer*in und/oder einer neuen Dolmetscher*in festgelegt.

Weiterführende Informationen:

Kindgerechter Grafikfilm über das Asylverfahren: http://www.asylindeutschland.de/de/film-2/

Asylrecht

Das Recht auf Asyl ist ein im deutschen Grundgesetz verankertes Grundrecht auf Schutz für politisch Verfolgte. Die Ausgestaltung dieses Grundrechts, also das Asylverfahren in dem über eine Aufenthaltserlaubnis entschieden wird, regelt das Asylgesetz von 1992. Im Asylverfahren prüft das BAMF ob ein Anrecht auf Asyl nach dem Grundgesetz, ein Flüchtlingsstatus nach der Genfer Konvention oder das Recht auf subsidiären Schutz vorliegen. Wenn dem nicht so ist und für den Herkunftsstaat keine Abschiebungsverbote vorliegen, lehnt das BAMF den Antrag ab und ordnet die Abschiebung an.

Seit seiner Verabschiedung hat das Asylgesetz 2015 und 2016 mit den Asylpaketen I und II Verschärfungen erfahren. In den Reformen 2015 (Asylpaket I) wurden die sicheren Herkunftsstaaten ausgeweitet, Regeln zur Beschleunigung der Verfahren erlassen und die Abschiebung vereinfacht und beschleunigt. Mit dem Gesetz zur Verbesserung der Unterbringung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher wurde im gleichen Zuge die vorläufige Inobhutnahme, Verteilung und Altersfestellung von UMF geregelt.

Mit dem Asylpaket II (2016) wurden Schnellverfahren eingeführt (allerdings nicht für UMF). Außerdem werden die sicheren Herkunftsstaaten erneut erweitert, Abschiebungen beschleunigt und der >Familiennachzug für >subsidiär Schutzberechtigte ausgesetzt. Der Zugang zu Ausbildung und die Arbeitsaufnahme direkt nach der Ausbildung werden für Geflüchtete und Geduldete erleichtert.

Für die aufenthaltsrechtliche Situation von UMF sind neben dem Asylgesetz auch das Aufenthaltsgesetz (dort ist die >Duldung geregelt), das Arbeitsmigrationssteuerungsgesetz und das Sozialgesetzbuch VIII Kinder- und Jugendhilfe maßgeblich.

Weiterführende Informationen:

Eine regelmäßig aktualisierte Übersicht über Neuerungen im Asylrecht bietet der Bundesverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auf seiner Webseite: http://www.b-umf.de/images/2016_10_20_rechtl_Neuerungen.pdf

Aufwandsentschädigung

Nach § 1835a BGB steht einem Vormund eine Aufwandsentschädigung von derzeit (April 2017) 399,-€/Jahr zu. Der Anspruch muss spätestens drei Monate nach Ablauf des Jahres beim zuständigen Amtsgericht, das auch die Vormundschaft zuerkannt hat, geltend gemacht werden, sonst erlischt er. Konkrete Nachweise müssen nicht erbracht werden.

Eine Vergütung der Vormundschaft gibt es nicht. Als Aufwendungen gelten Portokosten, Telefongebühren, Fotokopien, Dolmetscherkosten und Reisekosten, nicht aber Arbeitskraft, Fortbildungskosten und Zeitaufwand.

Kategorie Allgemein

Abschiebung

Unbegleitete Minderjährige werden aus Deutschland im Allgemeinen nicht abgeschoben. Rückführungen sind nur dann möglich, wenn die Aufnahme im Herkunftsland durch Familie, Sorgeberechtigte oder Einrichtungen sichergestellt und schriftlich zugesichert ist. Dabei muss die Ausländerbehörde überzeugend schriftlich darlegen, dass die Möglichkeit zur Übergabe der minderjährigen Person praktisch tatsächlich gegeben ist. Das gilt auch, wenn die minderjährige Person auf eigenen Wunsch zurückkehrt. Eine Rückkehr ohne diese Voraussetzungen ist auch auf eigenen Wunsch nicht möglich.

Beim Asylverfahren für Minderjährige steht das Kindeswohl über der Dublin Verordnung. Das Verfahren findet deswegen in der Regel dort statt, wo das Kind sich gerade aufhält und Asyl beantragt hat. Auch, wenn der Asylantrag zuvor in einem anderen EU-Land gestellt oder sogar beschieden wurde. Einzige Ausnahme: sollten Verwandte einen gemeinsamen Asylantrag in einem anderen europäischen Land gestellt haben, greift die Familienzusammenführung im Sinne des Kindeswohls. Der Staat in dem die Familie Asylantrag gestellt hat, ist damit für den UMF zuständig.

Abhängig vom Aufenthaltsstatus kann das Erreichen der Volljährigkeit (also in der Regel der 18. Geburtstag) oder die Entlassung aus der Jugendhilfe zur Abschiebung führen.

Altersfeststellung

Können junge Geflüchtete nicht über Ausweispapiere ihr Alter nachweisen (beispielsweise weil die Papiere auf der Flucht von Fluchthelfer*innen einbehalten wurden) oder bestehen Zweifel am angegebenen Alter, wird eine Alterseinschätzung vorgenommen. Vorherige Altersfeststellungen in anderen EU-Ländern sind dabei unerheblich.

Wissenschaftliche Methoden, um das Alter einer Person zweifelsfrei feststellen zu können, gibt es nicht. Da Minderjährigkeit aber nach deutschem Recht eine Zugangsvoraussetzung für kindeswohlgerechte Unterbringung, juristischen Beistand, Bildung, medizinische Versorgung und ggf. einen Aufenthaltstitel ist, wird ein Näherungswert bestimmt. Die Methoden der Altersfeststellung unterscheiden sich dabei von Bundesland zu Bundesland und von Institution zu Institution.

Oft werden für eine Person mehrere Altersfeststellungsverfahren angestrengt, die durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen können. Zunächst wird im Rahmen des erkennungsdienstlichen Verfahrens ein Alter bestimmt, das allerdings nicht rechtlich bindend für Familiengerichte und Jugendämter ist. Das Jugendamt prüft seinerseits ob Minderjährigkeit vorliegt, denn Minderjährige, die sich ohne Sorgeberechtigte in Deutschland aufhalten, müssen in Obhut genommen werden. Familiengerichte prüfen, ob ein Vormund eingesetzt werden muss. Dabei darf sich das Familiengericht auf das Jugendamt beziehen, muss aber eine unabhängige Einschätzung abgeben.

Im Asylverfahren nimmt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge keine erneute Altersfeststellung vor, sondern übernimmt die Einschätzung des Jugendamtes.

>Inaugenscheinnahme

Medizinische Altersfeststellung: Medizinische Methoden können im Rahmen von, vom Jugendamt beauftragten, sogenannten „sachverständigen, forensischen Altersgutachten“ zur Anwendung kommen. Sie reichen von der Begutachtung des Gebisses, Feststellung der Zahnreife und visuellen Beurteilung der körperlichen Reife durch medizinisches Fachpersonal bis zu ärztlichen Maßnahmen, wie Ultraschall- und Röntgendiagnostik (Zähne, Handwurzelknochen, Schlüsselbeine). Es besteht keine Mitwirkungspflicht für die geflüchtete Person bei medizinischen Untersuchungen, allerdings eine sogenannte Obliegenheit zur Mitwirkung. Bei Weigerung kann das Jugendamt die Ermittlungen einstellen und die Inobhutnahme verweigern. Rechtsgrundlage dafür sind §49 Abs. 3, 6 AufenthG und § 62 SGB1. Eine Röntgenuntersuchung darf nicht erzwungen werden und bedarf stets der expliziten Einwilligung. Das Jugendamt muss den Minderjährigen über die Folgen (auch rechtliche) bei einer Verweigerung der medizinischen Untersuchung aufklären.

Die medizinische Altersdiagnostik ist umstritten. Der Bundesfachverband unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge (BUMF) bietet Prüflisten für notwendige Maßnahmen des Kinderschutzes im Rahmen der Alterseinschätzung an und rät von Maßnahmen wie Genitaluntersuchungen ab, da sie die Menschenwürde der Geflüchteten verletzen können. Die Zentrale Ethikkommission bei der Bundesärztekammer empfiehlt in einer im Juli 2016 verabschiedeten Stellungnahme, nur in Ausnahmefällen auf medizinische Verfahren zur Alterseinschätzung zurückzugreifen und auf Strahlenuntersuchungen, aufgrund der gesundheitlichen Belastung, ganz zu verzichten. Bei MRT Untersuchungen bestehe das Risiko zur Retraumatisierung.

>Falsche Altersfeststellung

Weiterführende Informationen:

Prüflisten Altersfeststellungsverfahren: http://www.b-umf.de/images/alterseinschtzung_2015.pdf
Verfahren und Zuständigkeiten in den Ländern (2009): http://www.b-umf.de/images/stories/dokumente/altersfestsetzung-groe-anfrage-2009.pdf

Amtsvormundschaft

Ein Amtsvormund ist eine vom Jugendamt bestellte Fachkraft, die die Vormundschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge übernimmt. Amtsvormünder entscheiden, ebenso wie ehrenamtliche Vormünder, Fragen der elterlichen Sorge, Gesundheit und Bildung. Auch der Asylantrag wird vom Amtsvormund gestellt.

In den drei Werktagen nach der Inobhutnahme, spätestens jedoch einen Monat nach Einreise eines unbegleiteten Kindes, muss ein gesetzlicher Vormund bestellt werden. Die Vormundschaft kann eine geeignete ehrenamtliche Person übernehmen, die vom Jugendamt dem Familiengericht vorgeschlagen wird. Steht keine solche Person zur Verfügung wird zunächst ein Amtsvormund bestimmt.

Damit eine Vormundschaft angeordnet werden kann, muss ein Familiengericht zunächst das „Ruhen der elterlichen Sorge“ feststellen. In einigen Fällen sehen Familiengerichte das nicht als gegeben, wenn die Minderjährigen in ständigem telefonischem Kontakt mit ihren Eltern stehen.

In der Praxis können die Verfahren bis zur Bestellung eines Vormundes mehrere Monate in Anspruch nehmen. Gegebenenfalls besteht die Möglichkeit einen Eilantrag zu stellen, um die Familiengerichte zu einer schnelleren Entscheidung zu drängen. Jugendliche können auch selbst beim Amtsgericht einen Antrag auf Berufung eines Vormundes stellen.

Nach gesetzlicher Vorgabe dürfen Amtsvormünder nicht mehr als 50 Mündel betreuen. In der Praxis sind viele Jugendämter überlastet und Amtsvormünder betreuen deutlich mehr Kinder, sowohl geflüchtete als auch deutsche. Viele Bundesländer präferieren daher inzwischen die Einzelvormundschaft (durch Ehrenamtliche) anstelle der Amtsvormundschaft.

Wenn Amtsvormünder aus Überlastung keine Asylanträge stellen können, kann das gravierende Folgen für die minderjährige Geflüchteten haben. Das Netzwerk „Berlin hilft“ empfiehlt in manchen Fällen den Weg der „Bevollmächtigung“. Dabei bekommt eine ehrenamtliche Person Teile der Aufgaben des Amtsvormundes abgetreten und kann die Vorbereitung des Asylantrags übernehmen. Gerade bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die kurz vor ihrem 18. Geburtstag bzw. der Volljährigkeit stehen, kann sich ein solches Vorgehen anbieten.

Weiterführende Informationen:

Arbeitserlaubnis/ Beschäftigungserlaubnis

Menschen mit Flüchtlingsstatus dürfen in der Regel nach drei Monaten Aufenthalt eine Arbeit oder Ausbildung in Deutschland aufnehmen. Dafür muss bei der Ausländerbehörde ein konkretes Job- oder Ausbildungsangebot vorgelegt werden. Daraufhin wird eine Beschäftigungserlaubnis erteilt. Die Beschäftigungserlaubnis muss auch für betriebliche (nicht aber schulische) Ausbildungen beantragt werden, ebenso wie für Ausbildungen im Bereich Altenpflege und Krankenpflege.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus sogenannten sicheren Herkunftsländern (derzeit Albanien, Bosnien und Herzegowina, Ghana, Kosovo, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Montenegro, Senegal und Serbien) mit Duldungsstatus oder Aufenthaltsgestattung, die nach dem 31.8.2015 einen Asylantrag gestellt haben, bekommen keine Arbeitserlaubnis.  Hat der Jugendliche keinen Asylantrag gestellt, ist er allerdings nicht von dieser Regelung betroffen. Für eine betriebliche oder schulische Ausbildung, die mindestens zwei Jahre dauert und einem staatlich anerkannten Berufsabschluss führt, sollte hier eine Ausbildungsduldung erwogen werden.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, auf deren Aufenthaltstitel der Vermerk „Erwerbstätigkeit gestattet“ zu finden ist, dürfen ohne vorherigen Antrag eine Arbeit oder betriebliche Ausbildung aufnehmen. Das gilt in der Regel für die Aufenthaltserlaubnis sowie geduldete Flüchtlinge mit längerem Aufenthalt in Deutschland (der Vermerk kann nach vier Jahren beantragt werden). Ausnahme: wenn dem Jugendlichen von der Ausländerbehörde eine „Verletzung der Mitwirkungspflicht“ (zum Beispiel bei der Passbeschaffung) vorgeworfen wird, kann die Erteilung einer Beschäftigungserlaubnis verweigert werden.

Jugendliche in Erstaufnahmeeinrichtungen dürfen weder arbeiten, noch eine betriebliche Ausbildung beginnen.

Weiterführende Informationen:

Asylantrag

Der Asylantrag wird durch den Vormund frühzeitig, vor Erreichen der Volljährigkeit und ohne Angabe der Fluchtgründe, per Fax oder Einschreiben an das BAMF Nürnberg gestellt. Minderjährige dürfen selbst keinen Asylantrag stellen.

Ob es überhaupt ratsam ist, einen Asylantrag zu stellen, ist allerdings vom Einzelfall abhängig (Herkunftsland, Fluchtgründe, Verfolgung und Fähigkeit zum Berichten über die Flucht) und sollte in Absprache mit Beratungsstellen oder Anwälten geprüft werden. Eine Antragstellung für UMF aus sicheren Herkunftsländern ist in der Regel nicht zu empfehlen. Mit der Ablehnung des Asylantrags könnten alternative Bleibeperspektiven (über Ausbildung und Arbeit) verstellt werden. Es ist auch sinnvoll, die aktuellen Anerkennungsquoten des Herkunftslandes in Erfahrung zu bringen.

In den meisten anderen Fällen empfiehlt sich eine rasche Antragstellung. So kann sichergestellt werden, dass der Antrag noch währen der Minderjährigkeit entschieden wird und damit der besondere Schutz, den Minderjährige genießen, in die Entscheidung einfließt. Ein in Deutschland gestellter Antrag stoppt zunächst die Rückschiebung in andere (Dublin-III) Staaten. Das gilt auch, wenn die UMF dort zuerst registriert wurden oder bereits Antrag auf Asyl gestellt haben. Außerdem eröffnet erst ein positiv beschiedener Asylantrag (Flüchtlingseigenschaft oder Asyl) die Möglichkeit zum Familiennachzug bzw. der Dublin -Familienzusammenführung. (>Familiennachzug). Asylanträge von unbegleiteten Minderjährigen dürfen nur dann als „offensichtlich unbegründet“ abgelehnt werden, wenn sie aus einem sicheren Herkunftsstaat kommen.

Weiterführende Informationen:

Muster Asylanträge: http://www.fluechtlingsrat-thr.de/asylverfahren-umf
http://www.bamf.de/DE/Fluechtlingsschutz/UnbegleiteteMinderjaehrige/unbegleitete-minderjaehrige-node.html

Asylverfahren

Einige Monate nachdem der Asylantrag gestellt wurde, bestimmt das BAMF ein Aktenzeichen und eine zuständige Außenstelle und informiert die zuständige Ausländerbehörde über die Antragstellung. Diese stellt bei einem persönlichen Termin die >Aufenthaltsgestattung aus, die als Nachweis über den rechtmäßigen Aufenthalt zur Durchführung eines Asylverfahrens die Duldung oder andere Bescheinigungen ersetzt.

Das BAMF informiert schriftlich über den Termin der >Persönlichen Anhörung, dem wichtigsten und entscheidenden Termin im Asylverfahren.

Vormünder*innen sollten das BAMF an dieser Stelle informieren welche Muttersprache das Mündel spricht, ob also ein*e Dolmetscher*in anwesend sein sollte und, mit einer kurzen Begründung, welches Geschlecht Dolmetscher*in und Anhörer*in haben sollten.

In der persönlichen Anhörung müssen die Jugendlichen überzeugend darlegen warum sie geflohen sind. Alle Beweise für Fluchtgründe und Verlauf (Facebook-Nachrichten, Bilder, Emails, Drohbriefe, etc.) sollten also im Vorfeld gesammelt und gesichtet werden, damit sie für die persönliche Anhörung vorliegen und ein stringentes Bild ergeben. Der Flüchtlingsrat Thüringen weist darauf hin, dass nicht alle Jugendlichen wissen, warum sie fliehen mussten. Manche werden ohne Begründung von Eltern oder Verwandten geschickt. In diesem Fall kann es sich empfehlen – falls keine anderen Gründe dagegen sprechen -, die Eltern der Jugendlichen zu kontaktieren bzw. die Jugendlichen aufzufordern diese Fragen mit ihren Eltern zu besprechen.

> Die Persönliche Anhörung

Weiterführende Informationen:

Kindgerechter Grafikfilm über das Asylverfahren: http://www.asylindeutschland.de/de/film-2/
Informationen des BAMF: http://www.bamf.de/DE/Fluechtlingsschutz/UnbegleiteteMinderjaehrige/unbegleitete-minderjaehrige-node.html

Aufenthaltsbestimmung

Das Aufenthaltsbestimmungsrecht also die Bestimmung des Wohnsitzes, gewöhnlichen Aufenthaltes und tatsächlichen Aufenthaltes für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge liegt beim ehrenamtlichen Vormund bzw. Amtsvormund.

Ausbildung (Berlin)

Wahl der Schule

Nach dem anfänglichen Besuch der Willkommensklasse werden umF meist in eine Regelklasse transferiert, sobald ihre Deutsch- und anderen Kenntnisse ausreichend sind. Es steht dann also die Wahl einer geeigneten Schule bzw. Klasse an. Anmeldefristen sind oft vor den Sommerferien, so dass diese Frage häufig im Mai/Juni akut wird. Die Wahl der Schule wird sich natürlich vor allem an den Fähigkeiten und den (beruflichen) Wünschen sowie dem Alter des Schülers/der Schülerin orientieren. Die Lehrer/innen der Willkommensklasse können oft eine gute Einschätzung der Fähigkeiten des jeweiligen Schülers und vielleicht auch Empfehlungen zum weiteren Schulbesuch abgeben.

Verschiedene Stellen (à Berufsorientierung) können ebenfalls helfen, wenn es um die Weiterorientierung nach der Willkommensklasse geht. Es empfiehlt sich auch, in Frage kommende Schulen einmal mit dem Schüler zusammen zu besuchen, so dass man sich ein Bild machen kann. Die Lage bzw. Erreichbarkeit der Schule wird natürlich auch eine Rolle spielen. Oft müssen auch Bewerbungsunterlagen persönlich abgegeben werden, bzw. der Schüler muss sich persönlich in der neuen Schule anmelden.

Schulabschlüsse

Nach der 6. Klasse gibt es in Berlin zunächst zwei Schularten: die Integrierte Sekundarschule (ISS) und das Gymnasium. Ab der 10. Klasse kommen dann noch die Oberstufenzentren (OSZ) hinzu, die alle Arten von Abschlüssen mit Berufsorientierung und –praxis verbinden. Je nach Sprachkenntnissen und vorheriger Schulbildung können alle Schularten für umF und andere junge Flüchtlinge relevant sein.  Das Berliner Schulsystem ist außerdem relativ durchlässig, bietet also die Möglichkeit, einen Abschluss auf den anderen aufzubauen, bis hin zum Abitur.

Die Integrierte Sekundarschule (ISS) bietet folgende Abschlüsse:

  1. Die Berufsbildungsreife (BBR) nach der 9. Klasse (oder nach der 10., falls wiederholt werden muss) – wird v.a. aufgrund des Notendurchschnitts erreicht, keine Prüfung notwendig
  1. Die Erweiterte Berufsbildungsreife (eBBR) nach der 10. Klasse – hier zählt ebenfalls der Notendurchschnitt, und es wird eine gemeinsame Prüfung für eBBR und MSA abgelegt, die Ergebnisse entscheiden über den Abschluss
  1. Den MSA nach der 10. Klasse, Zulassung ebenfalls vom Notendurchschnitt abhängig, sowie vom Bestehen der Prüfung (siehe eBBR).

Mit bestandenem MSA und der Erfüllung einiger weiterer Voraussetzungen (https://www.berlin.de/sen/bildung/schule/bildungswege/integrierte-sekundarschule/) kann das Abitur bzw. der Übergang in die gymnasiale Oberstufe folgen.

Neben der ISS gibt es jedoch weitere, ausbildungsorientierte Schulformen, die für umF von Interesse sein können.

Die Oberstufenzentren (OSZ)

sind nach Berufsfeldern strukturiert und bieten ab der 10. Klasse

– beruflich orientierte Ausbildungen an (http://www.oberstufenzentrum.de/berufliche-ausbildung)

– die Möglichkeit, das Abitur oder Fachabitur zu machen (http://www.oberstufenzentrum.de/studienbefaehigende-bildungsgaenge)

– berufsvorbereitende Bildungsgänge (http://www.oberstufenzentrum.de/berufliche-vorbereitung). Diese können für umF u.U. besonders interessant sein. Sie erlauben, einen der ausbildungsrelevanten Abschlüsse, also die BBR, die eBBR, oder darauf aufbauend sogar den MSA zu erreichen, wobei der Unterricht schon auf die Berufspraxis hin ausgerichtet ist.

Möglichkeiten sind hier:

  1. Der BQL (Berufsqualifizierender Lehrgang), der dem 11. Schuljahr entspricht http://www.oberstufenzentrum.de/berufsqualifizierender-lehrgang-bql-vz-im-11-schuljahr Derzeit bieten etwa 21 OSZ diesen Lehrgang an. Mit dem BQL können Schüler direkt nach der Willkommensklasse in praxisorientierter Weise relativ schnell einen Abschluss (BBR oder eBBR, je nach Leistung) erwerben, der es ihnen ermöglicht, sich auf Ausbildungsplätze zu bewerben.
  1. Wenn ein Schüler z.B. mithilfe des BQL oder anderweitig die eBBR erreicht hat, kann er mit der sog. Berufsfachschule (BFS) an einem OSZ in einem Jahr, ebenfalls in praxisorientierter Weise, den MSA erwerben. http://www.oberstufenzentrum.de/einjaehrige-berufsfachschule-obf-1
  1. Außerdem gibt es derzeit ein Pilotprojekt, die Integrierte Berufsausbildungsvorbereitung (IBA), an mehreren Berliner OSZ. Hier werden der BQL und die BFS sozusagen zusammengeführt, d.h. IBA-Schüler können zunächst in einem Jahr die BBR oder die eBBR und dann, falls sie die eBBR erreicht haben, in einem weiteren Jahr den MSA erwerben. Durch die Praxisorientierung (fachpraktischer Unterricht und längere Praktikumsphasen) macht sich der Schüler gleichzeitig mit einem bestimmten Berufsfeld sowie dem Arbeiten im Betrieb vertraut.

Weiterführende Informationen:

Integrierte Sekundarschule: https://www.berlin.de/sen/bildung/schule/bildungswege/integrierte-sekundarschule/
IBA: http://www.oberstufenzentrum.de/bildungsgaenge/integrierte-berufsausbildungsvorbereitung-iba
Zur Anerkennung von im Ausland erreichten Schulabschlüssen: https://www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/anerkennung_im_schulbereich.php