Ausbildung (Berlin)

Wahl der Schule

Nach dem anfänglichen Besuch der Willkommensklasse werden umF meist in eine Regelklasse transferiert, sobald ihre Deutsch- und anderen Kenntnisse ausreichend sind. Es steht dann also die Wahl einer geeigneten Schule bzw. Klasse an. Anmeldefristen sind oft vor den Sommerferien, so dass diese Frage häufig im Mai/Juni akut wird. Die Wahl der Schule wird sich natürlich vor allem an den Fähigkeiten und den (beruflichen) Wünschen sowie dem Alter des Schülers/der Schülerin orientieren. Die Lehrer/innen der Willkommensklasse können oft eine gute Einschätzung der Fähigkeiten des jeweiligen Schülers und vielleicht auch Empfehlungen zum weiteren Schulbesuch abgeben.

Verschiedene Stellen (à Berufsorientierung) können ebenfalls helfen, wenn es um die Weiterorientierung nach der Willkommensklasse geht. Es empfiehlt sich auch, in Frage kommende Schulen einmal mit dem Schüler zusammen zu besuchen, so dass man sich ein Bild machen kann. Die Lage bzw. Erreichbarkeit der Schule wird natürlich auch eine Rolle spielen. Oft müssen auch Bewerbungsunterlagen persönlich abgegeben werden, bzw. der Schüler muss sich persönlich in der neuen Schule anmelden.

Schulabschlüsse

Nach der 6. Klasse gibt es in Berlin zunächst zwei Schularten: die Integrierte Sekundarschule (ISS) und das Gymnasium. Ab der 10. Klasse kommen dann noch die Oberstufenzentren (OSZ) hinzu, die alle Arten von Abschlüssen mit Berufsorientierung und –praxis verbinden. Je nach Sprachkenntnissen und vorheriger Schulbildung können alle Schularten für umF und andere junge Flüchtlinge relevant sein.  Das Berliner Schulsystem ist außerdem relativ durchlässig, bietet also die Möglichkeit, einen Abschluss auf den anderen aufzubauen, bis hin zum Abitur.

Die Integrierte Sekundarschule (ISS) bietet folgende Abschlüsse:

  1. Die Berufsbildungsreife (BBR) nach der 9. Klasse (oder nach der 10., falls wiederholt werden muss) – wird v.a. aufgrund des Notendurchschnitts erreicht, keine Prüfung notwendig
  1. Die Erweiterte Berufsbildungsreife (eBBR) nach der 10. Klasse – hier zählt ebenfalls der Notendurchschnitt, und es wird eine gemeinsame Prüfung für eBBR und MSA abgelegt, die Ergebnisse entscheiden über den Abschluss
  1. Den MSA nach der 10. Klasse, Zulassung ebenfalls vom Notendurchschnitt abhängig, sowie vom Bestehen der Prüfung (siehe eBBR).

Mit bestandenem MSA und der Erfüllung einiger weiterer Voraussetzungen (https://www.berlin.de/sen/bildung/schule/bildungswege/integrierte-sekundarschule/) kann das Abitur bzw. der Übergang in die gymnasiale Oberstufe folgen.

Neben der ISS gibt es jedoch weitere, ausbildungsorientierte Schulformen, die für umF von Interesse sein können.

Die Oberstufenzentren (OSZ)

sind nach Berufsfeldern strukturiert und bieten ab der 10. Klasse

– beruflich orientierte Ausbildungen an (http://www.oberstufenzentrum.de/berufliche-ausbildung)

– die Möglichkeit, das Abitur oder Fachabitur zu machen (http://www.oberstufenzentrum.de/studienbefaehigende-bildungsgaenge)

– berufsvorbereitende Bildungsgänge (http://www.oberstufenzentrum.de/berufliche-vorbereitung). Diese können für umF u.U. besonders interessant sein. Sie erlauben, einen der ausbildungsrelevanten Abschlüsse, also die BBR, die eBBR, oder darauf aufbauend sogar den MSA zu erreichen, wobei der Unterricht schon auf die Berufspraxis hin ausgerichtet ist.

Möglichkeiten sind hier:

  1. Der BQL (Berufsqualifizierender Lehrgang), der dem 11. Schuljahr entspricht http://www.oberstufenzentrum.de/berufsqualifizierender-lehrgang-bql-vz-im-11-schuljahr Derzeit bieten etwa 21 OSZ diesen Lehrgang an. Mit dem BQL können Schüler direkt nach der Willkommensklasse in praxisorientierter Weise relativ schnell einen Abschluss (BBR oder eBBR, je nach Leistung) erwerben, der es ihnen ermöglicht, sich auf Ausbildungsplätze zu bewerben.
  1. Wenn ein Schüler z.B. mithilfe des BQL oder anderweitig die eBBR erreicht hat, kann er mit der sog. Berufsfachschule (BFS) an einem OSZ in einem Jahr, ebenfalls in praxisorientierter Weise, den MSA erwerben. http://www.oberstufenzentrum.de/einjaehrige-berufsfachschule-obf-1
  1. Außerdem gibt es derzeit ein Pilotprojekt, die Integrierte Berufsausbildungsvorbereitung (IBA), an mehreren Berliner OSZ. Hier werden der BQL und die BFS sozusagen zusammengeführt, d.h. IBA-Schüler können zunächst in einem Jahr die BBR oder die eBBR und dann, falls sie die eBBR erreicht haben, in einem weiteren Jahr den MSA erwerben. Durch die Praxisorientierung (fachpraktischer Unterricht und längere Praktikumsphasen) macht sich der Schüler gleichzeitig mit einem bestimmten Berufsfeld sowie dem Arbeiten im Betrieb vertraut.

Weiterführende Informationen:

Integrierte Sekundarschule: https://www.berlin.de/sen/bildung/schule/bildungswege/integrierte-sekundarschule/
IBA: http://www.oberstufenzentrum.de/bildungsgaenge/integrierte-berufsausbildungsvorbereitung-iba
Zur Anerkennung von im Ausland erreichten Schulabschlüssen: https://www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/anerkennung_im_schulbereich.php