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Weiter geht’s

Am 27. Januar haben wir unsere erste Mitgliederversammlung durchgeführt. Neu in unserem Vorstand ist seitdem Kaj Schmietendorf, worüber wir uns freuen, denn Kaj hat in den vergangenen Monaten viel für JUNA getan. Wir haben – neben allen notwendigen Formalien und abzuarbeitenden Dingen – vor allem über die aktuelle Situation unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter diskutiert und überlegt, was wir als Nächstes tun wollen.
Unsere Vernetzungsbemühungen gehen voran. Seit Januar nimmt Kathrin Gerlof regelmäßig an den Beratungen des Arbeitskreises Junge Flüchtlinge, der sich im Beratungs- und Betreuungszentrum für junge Flüchtlinge trifft. Hier vernetzen sich verschiedene Akteur*innen – ehrenamtliche und hauptamtliche, um zu beraten, wie sich bessere Lebens- und Aufenthaltsbedingungen für junge Flüchtlinge herstellen lassen.
Gemeinsam mit Encourage e.V. wollen wir von JUNA versuchen, Fördermittel zu beantragen für die weitere Professionalisierung der Hilfe für minderjährige Geflüchtete, die allein nach Deutschland gekommen sind, und ehrenamtliche Vormünder*innen sowie für den Aufbau unserer noch sehr langsam wachsenden Sammlung nützlichen Wissens auf dieser Webseite.
Die Zahl der unbegleiteten Minderjährigen sinkt zwar in Deutschland, nimmt aber in Italien stark zu. Dort kamen im vergangenen Jahr rund 25.800 nach einer gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer an, also hat sich die Zahl gegenüber 2015 verdoppelt. Der Koordinator der UNICEF-Nothilfe kritisierte: „Die bestehenden Kinderschutzsysteme bieten diesen Kindern, die sich allein in einer völlig ungewohnten Umgebung aufhalten, vielfach keinen ausreichenden Schutz.“
Im Deutschen Bundestag fand ein öffentliches Expert*innengespräch, veranstaltet von der Kinderkommission des Bundestages, statt, in dem es um Rechtsverbesserungen für unbegleitete Flüchtlingskinder in Deutschland ging. Hier sind die Zusammenfassung und das Wortprotokoll des Gesprächs nachzulesen. Das Deutsche Kinderhilfswerk hatte bereits im Vorfeld des Gesprächs die unzulässige Einschränkung der Rechte von Flüchtlingskindern mit dem Inkrafttreten des Asylpakets II vor einem Jahr kritisiert. Hier der Wortlaut der Presseerklärung.
Eine hilfreiche Neuauflage einer Broschüre über die Rechte von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten hat der Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge e.V. in Umlauf gebracht. An der Broschüre haben Jugendliche aus ganz Deutschland mitgearbeitet – alles in jugendgerechter Sprache, vorerst nur in Deutsch erhältlich, ab April in weiteren Sprachen.
In Berlin gibt es weiterhin nicht ausreichend Plätze in der Jugendhilfe, um unbegleitete minderjährige Geflüchtete angemessen zu betreuen. Noch immer leben Jugendliche in Hostels, ein Zustand, den die vorherige Regierung versprochen hatte, noch im vergangenen Jahr zu beenden. Der AK Junge Flüchtlinge hat darüber diskutiert und wir werden gemeinsam versuchen, der neuen Landesregierung das Problem als dringlich nahezulegen und Vorschläge zu unterbreiten, wissend, dass die mehr als angespannte Wohnraumsituation in Berlin natürlich auch hier ein großes Hinderniss darstellt, wenn es darum geht, neue Räume für die Betreuung der Kinder und Jugendlichen zu finden.
Die verschärfte Abschiebepraxis bei jungen Afghanen verunsichert nicht nur in Berlin viele Ehrenamtliche, die sich um unbegleitete Minderjährige kümmern. Auch in Bayern, sorgen sich Pflegefamilien und Vormünder*innen, ihre Schützlinge nicht vor der Abschiebung bewahren zu können. Encourage e.V. berichtet ebenfalls von vielen Fällen, in denen Jugendliche nach einem Abgleich der Fingerabdrücke durch die Ausländerbehörde für volljährig erklärt werden und die Abschiebung eingeleitet wird. Wie diese Praxis läuft und was aus ihr folgt, kann man hier nachlesen.
In den nächsten Wochen werden wir vom AK Junge Flüchtlinge bei den neuen Regierungsparteien des Landes Berlin nachfragen, wie sie sich die Umsetzung der von ihnen vorgelegten Absichtserklärungen vorstellen. JUNA e.V. hatte im Vorfeld der Wahlen einen Wahlprüfstein erstellt. Die Antworten der Parteien sind hier noch einmal nachzulesen. Nun geht es darum, sie beim Wort zu nehmen und einzufordern, dass umgesetzt wird, was sie angekündigt haben.

Kathrin Gerlof