Gespräch mit der Staatssekretärin

Am 4. August 2016 hatten wir die Möglichkeit, mit der Berliner Staatssekretärin für Jugend und Familie der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Sigrid Klebba, und mit Ingeborg Junge-Reyer zu sprechen. Frau Junge-Reyer ist in der Jugendverwaltung seit vergangenem Jahr zuständig für die Koordination der Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

2015 war auch die Zahl junger unbegleiteter Flüchtlinge stark gestiegen, allein im dritten Quartal kamen 1500 und zum Jahresende hatten rund 4000 junge Geflüchtete mehrere Monate in der Erstaufnahmestelle des Landes verbracht.
Wir haben die Gelegenheit dieses ersten Gespräches genutzt, unseren Verein vorzustellen und unser Anliegen zu erläutern. Unsere wichtigsten Themen waren die gegenwärtige Situation bei der Unterbringung der unbegleiteten Minderjährigen, die Qualität der Betreuung in den Einrichtungen, die Sicherstellung möglichst schneller Integration in Schule und Sprachkurse und natürlich die Frage der Einzelvormundschaften. Wir haben erläutert, dass es nach unserer Kenntnis zum einen noch immer vorkomme, dass Jugendliche zu lange und nicht ausreichend betreut in Hostels untergebracht würden und dass der großen Zahl engagierter Menschen, die eine Einzelvormundschaft übernehmen würden, eine weitaus geringere Zahl vermittelter Vormundschaften gegenüberstehe.
Sigrid Klebba informierte darüber, dass im Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf inzwischen eine Stelle geschaffen und besetzt wurde, bei der organisiert werden soll, dass potenzielle Vormünder*innen mit Mündeln zusammengebracht werden. Verabredet sei, dass das Bezirksamt Zehlendorf tätig werden kann, wenn eine Einzelvormundschaft angeregt wird. Dort werde, so Klebba, eine Liste möglicher Vormünder*innen geführt und man gehe davon aus, dass sich diese Art der Koordination bald auch positiv niederschlagen werde.
Ingeborg Junge-Reyer betonte, es sei inzwischen nur noch in Ausnahmefällen so, dass Jugendliche in Hostels untergebracht würden. Die Unterbringungsplätze in Hostels würden reduziert. Zugleich würden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die in einem Hostel untergebracht sind, von der Jugendhilfe betreut, so wie in anderen Einrichtungen auch. Sie wies aber darauf hin, dass konkrete anderslautende Informationen an den Senat geschickt werden können, und man sich dort bemühen werde, zu prüfen und gegebenenfalls zu handeln.
Dies könne unter der Mailadresse uma@senbjw.berlin.de erfolgen, die auf der Homepage des Senats unter folgendem Link zu finden ist: https://www.berlin.de/sen/jugend/jugend/unbegleitete-minderjaehrige-fluechtlinge/
Inzwischen sei, so Junge-Reyer, auch ein Qualitätsmanagement eingerichtet worden. Man werde sukzessive sämtliche Einrichtungen besuchen und begutachten, in denen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht seien. Dies soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Gegenwärtig würden die Kriterien zusammengestellt, an denen sich eine ausreichende Qualität bei der Unterbringung und Betreuung künftig würde messen lassen. Träger, die vom Senat Geld dafür bekommen, Vormünder*innen auszubilden, wie beispielsweise AKINDA, seien auch dafür da und aufgestellt, die Vormünder*innen während der laufenden Vormundschaft zu begleiten und zu unterstützen.
JUNA e.V. wird nachfragen und dranbleiben. Zugleich wäre interessant zu wissen, welche Erfahrungen andere Bundesländer in Fragen Unterbringung, Qualitätsmanagement haben. Hier werden wir gemeinsam überlegen, wie entsprechende Informationen beschafft und zusammengetragen werden können.
Wir danken Sigrid Klebba und Ingeborg Junge-Reyer für das Gespräch.